24.03.14
Amphibienschutz

Einsätze der Schülerinnen und Schüler beim Bürgisweyer

Es ist Mittwoch, 11. April 1984, morgens um 07.00 Uhr in meinen Frühlingsferien. Ich pedale mit meinem Dreigängerfahrrad in Richtung Bürgisweierbad. Heute habe ich als Schüler der 6. Klasse die Aufgabe, nachzusehen, ob sich Kröten, Frösche oder Lurche in den Kübeln oder entlang des Schutzzaunes beim Bürgisweier an der Melchnaustrasse befinden. Wenn ja, sind diese einzusammeln und über die Strasse zu tragen, um diese vor dem Überfahren zu retten. Während ich da in die Pedale trete, überlege ich mir, dass ich eigentlich Ferien hätte und um diese Zeit noch im Bett liegen könnte. Dazu kommt, dass ich mich doch vor diesen Tieren ekle. Nun gut, froh bin ich über meine Handschuhe, die mir Mutter noch mitgegeben hat. Ach, ist diese „Stramplerei“ mit dem Velo mühsam. Leider kann ich keinen Gang mehr hinunter schalten, um die letzte Steigung zu bewältigen. „Nun gut, es ist eine gute Sache die Amphibien zu retten“, haben meine Eltern mir eingeschärft. „Du musst dies machen, schliesslich hat der Lehrer dir diese Aufgabe erteilt“, haben sie mir gesagt. Das stimmt, mit meinem Einsatz rette ich sicher wieder vielen Amphibien das Leben. Ohne den Schutzzaun und meinem Einsatz würden diese überfahren und somit getötet werden. „Hat es heute wohl viele“, frage ich mich. Nur gut, dass ich nicht jeden Tag diese Aufgabe habe. Da alle Schülerinnen und Schüler meiner Klasse mithelfen, können wir uns die Einsätze recht gut aufteilen, so dass alle nicht sehr oft zum Einsatz kommen. Beim Aufbau des Schutzzaunes wurden wir vom Bürgisweierwirt Ernst Hasler mit einem feinen Sandwich und einer Ovomaltine bedient. So wie ich ihn kenne, wird er uns auch beim Abbau wieder einen Imbiss offerieren. Darauf freue ich mich schon jetzt. Ich trete nochmals fest in die Pedale und habe es dann geschafft, ich bin angekommen und kann meine Aufgabe erfüllen…

Anfangs dieses Jahres erhielt ich einen Telefonanruf der Schulleitung. Diese teilte mir mit, dass die Lehrerkonferenz der Volksschule Madiswil entschieden habe, die Amphibienaktion beim Bürgisweier nicht mehr durchzuführen. Ein Hauptgrund dafür sei, dass Eltern dagegen seien, dass ihre Kinder diese Aufgabe wahrnehmen. Es sei gefährlich und verantwortungslos in der Dämmerung am Morgen und Abend Kinder mit so etwas zu beschäftigen. Ausserdem verpassten die betroffenen Schüler wichtigen Schulstoff, wenn sie sich durch das Einsammeln der Amphibien verspäteten.

Der Gemeinderat hält fest, dass diese Amphibienaktion nun schon über 35 Jahre lang betrieben wird. Noch nie gab es bisher Probleme, die Schulkinder für diese Arbeit zu motivieren. Es gilt, die Amphibien vor dem sicheren Tod, dieses Jahr und auch zukünftig, zu schützen. Ein Überfahren von tausenden von Tieren kann unmöglich akzeptiert werden. Gemäss Lehrplan für die Volkschule des Kantons Bern sind gerade solche Arbeiten pädagogisch sehr wertvoll. Aus diesem Grund wurden die Lehrkräfte sowie die Schülerinnen und Schüler der 5./6. Klassen aufgefordert, die Aufgaben des Amphibienschutzes im gleichen Rahmen wie bisher weiterzuführen. Kritische Eltern seien zu sensibilisieren und auf den Lehrplan zu verweisen, so die Meinung des Rates.
Die Aufforderung des Gemeinderates hat recht gut genützt. Mit wenigen Ausnahmen erledigen die Schülerinnen und Schüler den Dienst, die verschiedenen Frösche, Kröten und Lurche unbeschadet über die Strasse zu bringen. So können sich diese im nahegelegenen Weiher paaren. Die Einsatzlücken schliessen Freiwillige: Eine Frau von Mättenbach, die Gemeindepräsidentin, Mitglieder des Gemeinderates sowie der hier Schreibende. Mir ist es ein Anliegen, dass diese wichtige Aufgabe ab nächstem Jahr wieder voll und ganz durch Schülerinnen und Schüler ausgeführt werden kann. Nicht weil ich dies ungern tun würde, sondern weil ich es sehr wichtig finde, dass Kinder den direkten Umgang mit der Natur kennenlernen. Deshalb liebe Eltern, sorgt bitte dafür, dass eure Kinder diese wichtige Erfahrung machen dürfen, wie ich damals. Geschadet hat es mir ganz und gar nicht…

                                                                                                                                       Andreas Hasler, Gemeindeschreiber
 

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